Fürs fortschrittliche Dörfle

von Heinrich Waldraff
(Melodie: Zeller Narrenmarsch)

  1. Vom Hirschbock bis zur Linde,
    vom Eckfeld zum Spital,
    zum Hooge-Heiner hinte —
    D’r schönste Fleck im Tal.

    Des isch, was bis vor kurzem
    noch ‘s Dörfie g’heiße het
    i glaub m’r miesse ‘s ändere,
    ä Städtle isch es jetzt.

    Refrain: Holla hie…

  2. Mir henn uns schwer vergrößert,
    Ihr Narre, glaube sell,
    mir sind ‘s Millionenviertel
    vom ganze Städtle Zell.

    Wo einstens Küh und Ochse
    und Henne gackert henn,
    do sin jetzt nur Garage noch
    für Litt, wo Auto henn.

  3. Mir henn de Eisen-Auer,
    der alles het und kann,
    für Städter und für Bauer
    der kleine Neckermann.

    Mir henn bim Dörfle-Brunne
    ä Kaufhaus von Format,
    und nebendran bim Krumme-Sepp
    ä G’schäft mit Kopfsalat.

  4. Mir henn au d’ Apotheke
    und ‘s neue Krankehus,
    die schaffe beide zamme,
    die Kundschaft geht nit us.

    D’r Cölestin duet baue,
    bi dem gohts nur ruck-zuck,
    wie schnell het der hing’haue
    ä neue Linde-Bruck.

  5. Ins Rubis neuer Werkstatt
    do schaffe sie jetzt schwer,
    er hett ä großer Uftrag
    für sechs Maschineg`wehr.

    Bim Wölfe-Meier-Willi
    do isch au alles drinn,
    er hett ebs ganz modernes:
    ä „Milchverspritzmaschin”.

  6. Wer will ä Radio kaufe
    uf Rate oder bar
    der muß ins Dörfle laufe
    im Städtle isch des rar.

    Und wer will Auto fahre
    recht weit ins Ländle nus,
    der mietet sich beim Glpfelbeck
    D’r Weckle-Omnibus.

  7. Ihr sehne, liebe Dörfler,
    mir spiele jetzt ä Roll’
    im großen Stadtgeschehen ­
    isch des nit einfach doll?

    Doch kriege nur kei Hochmut
    sell wär d’r gröschte Fehl;
    sunscht werde m’r noch grad so g’schuckt
    wie d’ Nochberslitt von Zell.

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